Das Känguru-Prinzip

Trotz ET+10 (tatsächliche Geburt fand 10 Tage nach erwartetem Termin statt) ist unser Kind (wie jedes Kind) im Prinzip eine Frühgeburt. Mit seinem bisherigen Entwicklungsstand und entsprechenden Bedürfnissen wäre er im Mutterbauch für weitere drei Monate am besten aufgehoben gewesen. Hier hätte er unkompliziert weiter die meiste Zeit mit Schlafen und Gefüttertwerden verbringen können. Da aber aus evolutionären Umständen sein Kopf zu groß für den Geburtskanal gewesen wäre, hat die Natur uns unreife Eltern dazu bestimmt die besten Bedingungen für ein Nachreifen unseres Neugeborenen außerhalb von Lisas Bauch zu schaffen. Die Rolle der Plazenta haben nun die Brüste von Lisa übernommen. Die schaukelnden Bewegungen in der Gebärmutter sowie deren festumschließende warme Wand werden nun überwiegend mit einem Trage- oder Pucktuch simuliert. Die im Uterus hörbaren Geräusche (rauschendes Blut, Verdauung) werden je nach Situation mit Schhhh-Lauten, Staubsauger oder einer CD mit Regenklängen simuliert. Viele hilfreiche Tipps und Hintergrundinformationen für dieses Känguru-Prinzip fanden wir im Buch „Das glücklichste Baby der Welt“ von Dr. Harvey Karp.

Hätten wir zudem „Das Stillbuch“ von Hannah Lothrop schon vor der Geburt gelesen und frühzeitiger eine erfahrene Stillberaterin konsultiert, wären wir wohl entspannt und bestens vorbereitet für das sogenannte „vierte Trimester“ unseres kleinen Säug- und Traglings gewesen. So durften wir stattdessen wohl die lehrreichsten und intensivsten sechs Wochen unseres bisherigen Lebens verbringen. Eine ungünstige Kombination aus suboptimaler Brustwarzenform, Anfangsfehler beim Anlegen, ungewohnten Schmerzempfindungen und Unsicherheit bezüglich der Stillzeiten hatten in den ersten zwei Wochen zu wunden Brustwarzen sowie einem Milchstau geführt, welche später eine Brustentzündung begünstigten. Als kurzfristig Yasus Gewicht (mit 3000 Gramm) unter einen kritischen Wert gefallen war, haben wir auf Anraten unserer damaligen Wochenbetthebamme bei drei Stillmahlzeiten mit einem Babypulver auf Kuhmilchbasis zugefüttert. Nachdem sich die Muttermilchversorgung mit Hilfe einer Milchpumpe, zusätzlicher Brustmassage, positiven Gedanken sowie einem strikteren Stillzeitplan verbessert hatte, haben wir uns entschlossen das Zufüttern nicht fortzuführen. Yasu hatte zudem nach dem Zufüttern eine belegte Zunge bekommen und beim vierten Mal ganz die Beigabe von Kuhmilch-Pulver verweigert. Hinzu kamen auch unsere gesundheitlichen Bedenken bezüglich der Kuhmilch im Allgemeinen, die uns aus diversen Studien (siehe z.B. „Milchlüge“) bekannt waren.

Wir hatten mit unserem Vorgehen eine angemessene Gewichtszunahme von über 200 Gramm innerhalb von 10 Tagen erreicht. Die U2 und U3 sowie die dazugehörigen Laboruntersuchungen von Yasu waren unbedenklich, es gab regelmäßig „Kaka“ und „Pipi“, leuchtende Augen, gesund wirkende Haut und es wurde schon seit dem 11. Tag immer wieder mal gelächelt. Zwischenzeitlich hatten wir persönlich oder telefonisch stillerfahrene Mütter aus unserem Bekanntenkreis, darunter auch eine Stillberaterin sowie eine Hebamme, nach Ratschlägen und ihrer Meinung gefragt. Die meisten Empfehlungen unterstützten die folgende Aussage aus dem zuvor erwähnten „Das Stillbuch“: „Dies (das Zufüttern) ist nur in manchen Ausnahmefällen sinnvoll. Wenn wir zufüttern, kommt die Milchproduktion gar nicht richtig in Gang, im Gegenteil – sie nimmt sehr schnell wieder ab. Zufüttern initiiert eigentlich den Abstillprozess. Anstatt Mütter durch mancherlei Anweisungen zu verunsichern, sollten sie in ihrem Vertrauen gestärkt werden, dass sie ganz sicher ihrem Baby alles geben können, was es braucht.“ Da wir unserem Kind neben der emotionalen Bindung auch die durch wissenschaftliche Studien belegten gesundheitlichen Vorteile (im Vergleich zur Flaschenernährung signifikant niedrigere Wahrscheinlichkeit von Fettsucht/ Zuckerkrankheit/ Multiple Sklerose/ Krebserkrankungen/ plötzlicher Kindstod/ Karies/ Suchtanfälligkeit etc., höhere IQ-Werte, besseres Sehen etc.) durch das Langzeitstillen gewährleisten wollen, sind wir bemüht auch durch Inkaufnahme von Schmerzen und höheren Zeitaufwand die optimalen Bedingungen hierfür zu schaffen.

Leider verschlechterte sich dann stressbedingt die Stillsituation wieder zwischenzeitlich und das Gewicht von Yasu fiel wieder kritisch bis 3100 Gramm, so dass wir uns auch auf Anraten von zwei weiteren Stillberaterinnen dann doch erneut entschieden ihn zeitweilig zuzufüttern. Unter Rücksprache mit unserem Kinderarzt verwendeten wir zum Zufüttern abwechselnd Muttermilchspenden von zwei anderen stillenden Müttern (Danke Edwina und Pia!) und die weitgehend pflanzenbasierte SL-Milch von Humana. Einen guten Überblick über Kuhmilch-freie Muttermilch-Alternativen findet man hier bei tofufamiliy.de.

Mit dieser Zufütterungsmaßnahme hatten wir bereits nach vier Tagen eine überdurchschnittliche Gewichtszunahme erreicht. Da sich zugleich auch das Stillen wieder deutlich entspannter gestaltete, wurden die fremdbezogenen Milch-Beigaben wieder abgesetzt. Zur milchfördernden Still-Entspannung beigetragen haben dabei unter anderem die Aroma-Öle von doTerra, Katherinas Emotionalcoaching, die innere und äußere Anwendung von Kurkuma, Donut-Schutzvorrichtungen für die Brustwarzen, Malzbier, Dill, Bockshornklee, Kohlwickel, Wärmeente, Heiß-Kalt-Duschen, Yoga, Mantralieder, Massagen, Healing Codes, Fussbad sowie eine beherzt anpackende Hebamme, die Lisa zeigte wie man den letzten Rest an Warzenvorhof in Yasus Mündchen bekommt. Ach ja, und der unglaublich wertvolle Hinweis zum richtigen Augenblick von einer guten Freundin: „Ihr macht das schon richtig, lasst Euch nicht verrückt machen!“

Seitdem verspüren wir wieder täglich ein Aufblühen unseres jungen Familienglücks. Yasu nimmt kontinuierlich zu, Lisas Brustwarzen werden immer ansehnlicher sowie schmerzfreier und wir haben wieder die Muse einen Blog zu schreiben. Auch das windelfreie Abhalten klappt immer besser. Mama und Papa haben einen Riesenspaß dabei die großen und kleinen Geschäfte ihres Sohnes über dem Waschbecken zu unterstützen. Es ist faszinierend zu sehen wie konzentriert ein so kleines Wesen dabei schon schauen kann und wie sich die Freude über die anschließende „Erleichterung“ in einem Babylächeln widerspiegelt.

Wir haben in dieser herausfordernden Zeit sehr viel Unterstützung und Zuspruch in verschiedenster Form durch unsere Familie und unsere Freunde erfahren dürfen. Wir haben alle möglichen Babysachen, angefangen von Babybekleidung bis hin zur Babywiege, geschenkt bekommen, so dass wir außer einem gebrauchten Kinderwagen nichts mehr hinzukaufen mussten. Hinzu kamen noch großzügige Geldspenden, die vielen lieben Glückwunschkarten, -anrufe und –emails sowie abwechslungsreichen Besuche. Desweiteren wurden wir auch reichlich mit nahrhaften Essenslieferungen für Lisas Milchproduktion beglückt. Das alles hat uns sehr geholfen und wir sind allen Beteiligten unendlich dankbar! Es tut so gut, Freundschaften und Familienverbundenheit in dieser Form zu erleben!

Das vierte Trimester ist noch nicht vorüber, aber wir sind wieder sehr zuversichtlich die optimalen Bedingungen für unseren Strampler geschaffen zu haben, um ihm eine achtsame und gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Wir werden uns weiter aktuell und vielseitig informieren, so dass wir mit unserer Intuition zusammen die besten Entscheidungen für unser Kind treffen können.

Mit ganz lieben Grüßen,

Lisa, Yasu und Moto

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.